ÿþ<HTML> <HEAD> <TITLE>G&ouml;del Ausstellung: G&ouml;dels Jahrhundert</TITLE> <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=utf-8" /> <meta name="description" content="G&ouml;dels Jahrhundert - G&ouml;del's Century 1906-2006: Ausstellung - Exhibition"> <meta name="author" content="Karl Sigmund"> <meta name="keywords" content="G&ouml;del, Kurt G&ouml;del, Goedel, Kurt Goedel, Ausstellung, Exhibition, 1906-2006, G&ouml;dels Jahrhundert, G&ouml;del's Century, Universit&auml;t Wien, Palais Palffy, Ovalhalle Museumsquartier, Karl Sigmund, John Dawson"> <link rel="SHORTCUT ICON" href="../favicon.ico"></HEAD> <BODY> <body text="#333333" bgcolor="#FFFFFF" link="#333333" vlink="#333333" alink="#333333" style="background-image:url(../h4.jpg);background-repeat:repeat-y; margin:30px"> <font color=#333333 FACE="Arial" SIZE="3"> <table WIDTH=1008 border="1" CELLPADDING=5 cellspacing="0"> <tr> <td align=center> <a href="../start">Home</a> </td> <td align=center> <a href="../goedel">Kurt G&ouml;del</a> </td> <td align=center> <a href="../exhibition">Ausstellung</a> </td> <td align=center> <a href="../gallery">Photogalerie</a> </td> <td align=center> <a href="../sponsors">Unterst&uuml;tzung und Sponsoren</a> </td> <td align=center> <a href="../start/kontakt.html">Kontakt</a> </td> </tr> </table> <br><br><br><br><br><br> <table border=0 width="100%"> <tr> <td> <td valign=top align=left width="70%"> <h2>Kurt G&ouml;del 1906 - 2006</h2> <br><br> "2006 " Wien feiert ein Genie": damit ist zweifellos Mozart gemeint. Aber Wien feiert auch den 100. Geburtstag von Kurt G&ouml;del. Der ist nicht ganz so bekannt wie Mozart aber ebenfalls ein Genie, das Wien zur Ehre gereicht. <br> Time Magazine reihte ihn unter die hundert wichtigsten Personen des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Harvard University verlieh ihm das Ehrendoktorat f&uuml;r die Entdeckung  der bedeutsamsten mathematischen Wahrheit des Jahrhunderts". Er gilt allgemein als der gr&ouml;&szlig;te Logiker seit Aristoteles. Sein Freund Einstein ging, nach eigener Aussage, nur deshalb ans Institut, um G&ouml;del auf dem Heimweg begleiten zu d&uuml;rfen. Und John von Neumann, einer der V&auml;ter des Computers, schrieb:  G&ouml;del ist tats&auml;chlich absolut unersetzlich. Er ist der einzige Mathematiker, von dem ich das zu behaupten wage." <br> Kurt G&ouml;del (1906-1978), der in Br&uuml;nn geboren wurde, studierte in den zwanziger Jahren in Wien. Bereits mit vierundzwanzig revolutionierte er nicht nur die Mathematik, sondern auch unsere Sicht der Mathematik. Er pendelte w&auml;hrend der drei&szlig;iger Jahre zwischen Wien (wo er als Privatdozent 2 Schilling 90 im Semester verdiente) und Princeton (wo er einer der ersten Besucher des neu gegr&uuml;ndeten Institute for Advanced Study war). Anfang 1940 emigrierte er (obwohl nicht rassisch verfolgt) &uuml;ber die Sowjetunion und Japan in die USA. Er kehrte nie wieder nach Wien zur&uuml;ck, und schrieb seiner Mutter, dass ihn Alptr&auml;ume qu&auml;lten, in Wien in der Falle zu sitzen. <br> Aber G&ouml;del hatte seine besten und fruchtbarsten Jahre in Wien verbracht. Er geh&ouml;rt in das Wien der Zwischenkriegszeit, so wie Sigmund Freud, Ludwig Wittgenstein, Karl Popper, Konrad Lorenz, Robert Musil oder Arnold Sch&ouml;nberg, und vielleicht wird er einmal der bekannteste Vertreter dieses  goldenen Herbstes . Wien ehrt ihn, sp&auml;t aber eindringlich, durch einen gro&szlig;en Kongress an der Universit&auml;t Wien, der von der Templeton Foundation gesponsert wird, und eine Ausstellung, die von Bund und Gemeinde Wien gro&szlig;z&uuml;gig finanziert wird und unter dem Ehrenschutz des Bundespr&auml;sidenten steht. <br> G&ouml;del bewies, dass es in jeder mathematischen Theorie, die reichhaltig genug ist, um das Z&auml;hlen, Addieren und Multiplizieren zu erlauben, wahre S&auml;tze gibt, die nicht bewiesen werden k&ouml;nnen  es sei denn, die Theorie enth&auml;lt einen Widerspruch. Schlimmer noch: man k&ouml;nnte sicher sein, dass sie einen Widerspruch enth&auml;lt, wenn es innerhalb der Theorie gel&auml;nge, ihre eigene Widerspruchsfreiheit zu beweisen. Wie Hans Magnus Enzensberger in seiner  Hommage à G&ouml;del' schreibt:  Du kannst deine eigene Sprache in deiner eigenen Sprache beschreiben: aber nicht ganz.' Das klingt recht plausibel, aber G&ouml;del hat daraus einen Satz der Mathematik gemacht. Es gelang ihm, eine philosophische Aussage in ein mathematisches Theorem zu verwandeln. In diesem Sinn hat G&ouml;del f&uuml;r die Philosophie etwas &auml;hnliches geleistet, wie Newton f&uuml;r die Physik. <br> Auch die beiden anderen gro&szlig;en Entdeckungen G&ouml;dels sind von atemberaubender K&uuml;hnheit. Er hat einen grundlegenden Beitrag zur Mengenlehre geliefert, also dem Studium des Unendlichen, ein Fach, das nicht zu Unrecht als 'Theologie f&uuml;r Mathematiker' bezeichnet wird. G&ouml;del gelang damit die H&auml;lfte der L&ouml;sung des so genannten Kontinuumproblems, der Nummer Eins in der Liste der mathematischen Probleme seines Jahrhunderts. Und er hat bewiesen, dass Einsteins Relativit&auml;tstheorie Reisen in die eigene Vergangenheit grunds&auml;tzlich erlaubt. Richtig verdaut haben das die Kosmologen noch heute nicht. In einer Randbemerkung h&auml;lt G&ouml;del fest, dass die Zeitrichtung bei der Landung des Reisenden wieder dieselbe ist, also nicht verkehrt abl&auml;uft wie in einem falsch eingelegten Film. <br> Diese gedanklichen Extremtouren forderten von G&ouml;del einen hohen Zoll. Immer wieder durchlebte er schwere psychische Krisen und Zusammenbr&uuml;che. Er verbrachte viel Zeit in Nervenheilst&auml;tten. Der Direktor seines Instituts bezeichnete ihn in einem offiziellen Schriftst&uuml;ck als Genie mit psychopathischen Z&uuml;gen. Immer wieder wurde G&ouml;del von der Angst heimgesucht, vergiftet zu werden, und schlie&szlig;lich starb er an seiner konsequenten Weigerung, Nahrung aufzunehmen. Seine Lebensgeschichte ist nicht weniger tragisch als die in "A beautiful mind". <br> G&ouml;del, der sich auch an Gottesbeweisen versuchte, an Seelenwanderung glaubte und eine Verschw&ouml;rung gegen Leibniz aufdecken wollte, ragt wie ein Fremdk&ouml;rper ins zwanzigste Jahrhundert. Aber seine engere Umgebung war geradezu die Speerspitze ihrer Epoche. Sowohl die Denker des Wiener Kreises, als auch die Wissenschaftler in Princeton geh&ouml;rten zum Modernsten, was das zwanzigste Jahrhundert zu bieten hat. So beruht etwa die Entwicklung des Computers durch Alan Turing und John von Neumann auf mathematischer Logik und formalen Systemen, deren unbestrittener Gro&szlig;meister in jenen Jahren G&ouml;del war. Der Unvollst&auml;ndigkeitssatz, den G&ouml;del entdeckt hatte, lang bevor es programmierbare Computer gab, ist ein Satz &uuml;ber die Grenzen von Computerprogrammen, und seit dem Erfolg von  G&ouml;del-Escher-Bach gilt G&ouml;del als Schutzpatron der Computerkultur. <br><br> Karl Sigmund <td valign=top align=right width="20%"> </BODY> </HTML>